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Jubiläumsbauvisite 3: Wohnhausanlage Am Schöpfwerk (1967)
Viktor Hufnagl, Traude und Wolfgang Windbrechtinger u.a.
BauvisiteArchitektur: Viktor Hufnagl (federführend), Traude und Wolfgang Windbrechtinger, Erich Bauer, Leo Parenzan, Joachim Peters, Michael Pribitzer, Fritz Waclawek
Im Anschluss an die ÖGFA-Ausstellungen „Neue städtische Wohnformen“ in den Jahren 1966 und 1967 bestand die Absicht, eine Reihe von wichtigen Teilnehmern an dieser Ausstellung mit der Realisierung der Wohnbauanlage „Am Schöpfwerk“ zu betrauen. Schlussendlich blieben davon die Ausstellungsorganisatoren Viktor Hufnagl, der federführend plante, und Traude und Wolfgang Windbrechtinger übrig, die zusammen mit einer Reihe von der Stadt Wien bestimmter Architekten umsetzten. Das Projekt sollte auf die Probleme im Wohnbau der 50er und frühen 60er Jahre reagieren, Lösungsansätze waren eine Neuinterpretation der Wohnhöfe des „Roten Wien“, eine Vielfalt von Wohnungstypen, Funktionsmischung, Verdichtung, Verkehrstrennung und Vorfertigung. Somit verbanden sich Aspekte des Nachkriegsfunktionalismus mit solchen einer Renaissance des Urbanen, die hier noch vor dem Siegeszug der Postmoderne versucht wurde.
Neben einem Doppelhochhaus gibt es drei so genannte Ringe (Hofabfolgen) mit jeweils unterschiedlichem Charakter. Die Planung dauerte bis 1973, von 1974 bis 1981 wurde gebaut. Hufnagl realisierte außerdem die Kirche Am Schöpfwerk (1977-81). Negatives Medienecho hatte das Schöpfwerk mit seinen ca. 1.650 Wohnungen aufgrund der „stark monostrukturellen“ Besiedlung, vor allem hinsichtlich des Einkommens (28 % der Bewohner beziehen Wohnbeihilfe, wienweit sind es 8 %), sowie seines – trotz geplanter Funktionsmischung – Charakters als „Schlafsiedlung“. Mittlerweile konnten Image und Situation verbessert werden, etwa durch partizipative Medienprojekte und das Stadtteilzentrum Bassena.