Zeugnis des Industriezeitalters
Die ehemalige Kammgarnspinnerei in Möllersdorf
Eine Kooperation mit ORTE
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Im Jahr 1824 gründete Josef Mohr in Möllersdorf eine Baumwollspinnerei, deren Spindeln durch Wasserkraft angetrieben wurden. 1877 stellte der neue Besitzer, die Vöslauer Kammgarnfabrik, den Betrieb auf Schafwollverarbeitung um. Zu Spitzenzeiten arbeiteten hier bis zu 1.400 Personen, überwiegend Frauen, im Schichtbetrieb. Die Garnproduktion wurde 1976 eingestellt, elf Jahre später erwarb die Stadtgemeinde Traiskirchen das Gelände. In kurzer Zeit wandelten engagierte Bürger*innen das zentrale, dreistöckige Administrationsgebäude, ein Holzbau mit massiven Umfassungswänden, in das Museum Traiskirchen um. Schwerpunkte des Museums sind, u.a., Einrichtungen von aufgelassenen Läden und Lokalen, sowie Orts- und Regionsgeschichte. Östlich davon grenzen die für die Kammgarnproduktion errichteten Hallen an.
Die Besichtigung findet unter dem Vorzeichen des neuen Gesamtkonzepts, dessen Entstehung von Margot Fürtsch-Loos und Siegfried Loos begleitet wurde. Ab 2023 nahmen viele Personen, darunter Entscheidungsträger*innen, langjährige ehrenamtliche Mitarbeiter*innen, Vertreter*innen des Denkmalamts, externe Museumsexpert*innen und Bauphysiker*innen, am Prozess teil. Es entstand eine Chronik der Nutzungen, Eigenarten und Anpassungen der Bauten, die als eine essentielle Grundlage des Entwurfs dient.
Die Komplexität der Aufgabe ruft ein Paradoxon hervor: Die ursprünglich feinkalibrieten Produktionshallen sollen nun zu einem Ort werden, wo eine große Bandbreite von Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden können. Das mehrstufige Konzept ist von Wendungen geprägt, sowie für künftige Abwandlungen anpassbar. Die erste Phase sieht vor, das Hauptgebäude und die Hallen mit akribisch gesetzten Maßnahmen nach und nach in Stand zu setzen.
Empfohlene Anfahrt: Aspangbahn R95: Abfahrt Wien Hauptbahnhof 12:27; Ankunft Möllersdorf 12:55
Margot Fürtsch-Loos, DI
*Wien
Studium TU Wien und University of Michigan
prägende Praxiszeiten im Atelier Roland Rainer
2002 Gründung von polar÷
Siegfried Loos, Architekt DI
*Feldbach
Studium TU Graz und TU Delft
2002 Gründung von polar÷
Wolfgang Kos, Historiker, Autor und Ausstellungskurator. Geboren 1949 in Mödling, lebt und arbeitet seit 1975 in Wien. 1968–2003 Radiojournalist beim ORF (Ö3, ab 1983 Ö1). 1987–2003 Lehrauftrag am Institut für Zeitgeschichte (Universität Wien). 2003–2015 Direktor des Wien Museums. Publikationen und Ausstellungen zu Geschichte, Kunst und Populärkultur, zuletzt „99 Songs“ (2017), „Der Semmering – eine exzentrische Landschaft“ (2021)“, „Das Radio“ (2024).
Karin Neschi-Rektorik wurde 1967 in Wien geboren. Nach dem Studium Europäischen Ethnologie an der Universität Wien engagierte sie sich zuerst einige Jahre ehrenamtlich im Museumsteam, bevor sie 2012 die Leitung des Museums und des Stadtarchivs in Traiskirchen übernahm. Seitdem stehen der laufende Betrieb und die Weiterentwicklung des Museums mit all seinen Arbeitsfeldern im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Es ist ein Kosmos aus Management, wissenschaftlicher Recherche, Sammlungsbetreuung, Besucher*innen-Service, Vermittlung, Konzeption und Gestaltung von Ausstellungen, Planungen für die Zukunft und Stadtpolitik.
