Feuerwache Landstraße
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Entlang der Südosttangente (A23) im Infrastrukturcluster Erdberg, zwischen Wiener Linien, Arena, ÖAMTC-Headquarters und der künftigen Wien-Holding-Arena, wurde 2022 die Feuerwache Landstraße fertiggestellt.
Hervorgegangen aus einem EU-weiten Wettbewerb der MA68, den Katharina Rabanser und Tobias Weske gewannen, setzt der Bau auf eine kompakte Form, die aus den Funktionsbereichen und der exponierten Lage an der Hochstraße resultiert. Die Fassade aus Sichtbeton in zwei Farbnuancen erzeugt durch Hell-Dunkel-Kontraste und eine subtile Silhouette eine plastische Wirkung. Drei Teile prägen die Struktur: Servicetrakt, Fahrzeughalle und Steigerturm. Ein natürlich belichtetes Atrium verbindet die vielfältigen Nutzungen. Auf dem Dach bietet eine geschützte Terrasse mit Grüninseln hochwertigen Außenraum.
Es führt: Katharina Rabanser
In Begleitung von: Felix Siegrist / ÖGFA
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Projektbeschreibung:
Funktionalität mit Aufenthaltsqualität
Bedingt durch die Funktionsabläufe der Berufsfeuerwehr Wien mit einem 24h Bereitschaftsdienst beinhaltet das Gebäude eine Vielzahl von unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Nutzungen: das komplexe Raumprogramm vereint zum einen technisch-funktionale Bereiche und zum anderen Bereiche für Verwaltungs-, Bildungs- und Sportaktivitäten bis hin zu individuellen Ruheräumen und autarker Essensversorgung.
Das natürlich belichtete, zentrale Atrium bildet das Herz des Gebäudes, welches sämtliche Funktionsbereiche im Inneren sowohl vertikal wie auch horizontal zusammenführt: Haupteingang, Nachrichtenraum, Rüstzeugraum und Schleuse zur Fahrzeughalle im EG, Ruheräume, Umkleiden und Sanitärräume im Zwischengeschoss hin zum OG mit den Allgemeinräumen.
Am Dach über der Fahrzeughalle bietet eine geschützte Terrasse mit Grüninseln und gedeckten Bereichen einen qualitätvollen Aufenthaltsbereich im Freien.
Bauform uns Außenerscheinung
Das Äußere des Gebäudes ist von Sichtbeton in zwei Farbnuancen bestimmt. Dieses Grundmotiv von Dunkel und Hell ist von der Idee eines Sockels bzw. Palazzos abgeleitet: es entsteht ein Wechselspiel zwischen „plastischer“ und „figuraler“ Form, das dem Gebäude eine visuell leicht rätselhafte und gleichzeitig noble Qualität zufügt.
Die Bauform und das Erscheinungsbild der neuen Feuerwache mit ihren vier unterschiedlichen Fassaden ergeben sich aus den spezifischen Funktionsbereichen und deren Lage im Gebäude. Die Hauptfassade wirkt durch ihre geschlossenen Flächen maßstabslos und abstrakt. Im Kontrast dazu erscheint die Lochfassade entlang der Nottendorfer Gasse dank des feingliedrigen Maßstabs der seriell angeordneten Räume in den Obergeschossen als Gegenstück. Die anderen beiden Fassaden ergänzen das subtil differenzierte Erscheinungsbild des Gebäudes. Zum Hof hin entfaltet sich eine fast verspielt wirkende Komposition, die einerseits durch unterschiedliche, an den einzelnen Funktionen abgestimmte Fensterformate und -arten ihren Grundcharakter erhält, und andererseits stark von der bewegten Gebäudesilhouette geprägt wird.
Der Steigerturm wirkt durch seine rahmenlosen Öffnungen, die ihn zum Teil wie ein Rohbau erscheinen lassen, zusammen mit der prägnant geformten Stiege in den oberen Geschoßen wie eine abstrakte Gestalt, die sich als integrierter Bestandteil des Gebäudes emporstreckt. Schließlich bildet die völlig geschlossene Süd-Ost-Fassade zur Autobahn hin die formale Synthese.
Konstruktion, Technik und Ökologie
Aufgrund der hohen Anforderungen an ein Rettungszentrum der Berufsfeuerwehr Wien (SFK CC3) ist das Gebäude in Massivbauweise erstellt. Eine Besonderheit stellen dabei die Außenwandkonstruktionen dar, die, teils einschalig mit Innendämmung (Fahrzeughalle), teils zweischalig mit Kerndämmung (Aufenthaltsbereiche) in Sichtbeton ausgeführt wurden.
Trotz der nutzungsbedingt hohen technischen Anforderungen (USV, Notstromversorgung, optische und akustische Signalanlagen in sämtlichen Bereichen, BMA, Abgasabsaugung in der Fahrzeughalle) wurde auf deren ökonomische Integration und Dimensionierung großer Wert gelegt.
Die Feuerwache ist volumetrisch äußerst kompakt konzipiert und in Niedrigenergiehaus-Standard ausgeführt. Auch wurde bewusst auf eine Unterkellerung verzichtet. Im Zuge der Ausführung wurde das mineralische Abbruchmaterial des Altbaus zur Verfüllung der Baugrube im Vor-Ort-Recycling-Verfahren aufbereitet und wiederverwendet. Wilder Wein begrünt das Gebäude im Laufe der Zeit, ausgehend von der Süd-Ost-Fassade.
Projektdaten:
Verfahren: EU weit offener Wettbewerb, 1. Preis
Architektur: Arch. Tobias Weske + Arch. Katharina Rabanser
Bauherr: MA68, Feuerwehr und Katastrophenschutz der Stadt Wien
Leistungsumfang: Generalplaner
Zeitraum: 2018 – 2022
