Bildungscampus Gersthof
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Das Wiener Architekturbüro Franz&Sue transformierte die ehemalige orthopädische Klinik in Wien-Gersthof im Auftrag der Bundesimmobiliengesellschaft in einen zeitgemäßen Bildungscampus. Das Gebäude mit seiner bewegten Vergangenheit liegt in gehobener Wohngegend in einem alten Park mit hundertjährigen Bäumen. Der markante Bau aus den 1920er-Jahren steht mitsamt der Parkanlage unter Denkmalschutz. Nach der Absiedelung des Spitals wären darin beinahe Luxuswohnungen entstanden. 2020 erwarb die BIG das Areal und entwickelte ein Leitprojekt für die Transformation von Bestandsbauten in zeitgemäße Lernlandschaften. So bleibt das Gebäude der Öffentlichkeit erhalten.
Die Adaptierung des Gebäudes innerhalb der Denkmalschutzvorgaben bot die Chance, Schulbaunormen zu hinterfragen und davon teilweise abzuweichen. So ergeben sich bei der vorhandenen Trakttiefe von fünf Metern Klassenzimmer, die schmäler, aber auch länger sind als üblich. Das bietet Platz für individuelles Lernen, Gruppenarbeiten und eine Garderobe. Die Architekt*innen entfernten Zwischenwände und öffneten die dunklen Mittelgänge zu den Unterrichtsräumen. Zwischen den Klassen entstanden offene Pausen- und Lernzonen. In den Gängen blieben die charakteristischen roten Fliesen der Sockelleisten und Türrahmen teilweise im Original erhalten – im gesamten Gebäude werden diese vorhandenen Elemente in den architektonischen Ergänzungen zitiert.
Durch Absenken des Geländes zum Park hin wurde aus dem dunklen Keller ein helles Gartengeschoß mit ebenerdigem Zugang für Cafeteria und Nachmittagsbetreuung. Das ehemalige Verwaltungsgebäude gegenüber dem Hauptbau erhielt eine neue Funktion als Haus der Naturwissenschaften mit Laborräumen.
Statt einer Nachrüstung mit einer der Denkmalpflege nicht gerecht werdenden mechanischen Lüftungsanlage entschied sich das umsetzende Projektteam bei der Gebäudetechnik für ein Lowtech-Konzept mit intelligent gesteuerter Fensterspaltlüftung. Die Schule ist das erste klimaaktiv-zertifizierte Gebäude mit diesem Haustechnikkonzept.
Für den Turnunterricht wurden im Süden des Schulparks zwei Sportpavillons in Holzriegelbauweise ergänzt. Der größere Turnsaal ist als Normturnhalle für Ballsportarten konzipiert, der kleinere wird als Bewegungshalle mit Boulder- und Spiegelwand genutzt. Mit einer Hülle aus dunkel lasierten, geschuppten Holzlamellen stehen die beiden Turnsäle wie Skulpturen unter den großen Rotbuchen als zeitgemäße architektonische Ergänzung zum altehrwürdigen Bestand.
Es führen: Corinna Toell / Franz&Sue und Claudia Maria Walther / BIG
In Begleitung von: Felix Siegrist / ÖGFA
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Corinna Toell studierte Architektur an der TU Braunschweig und ETSA Sevilla. Ab 2010 war sie Projektleiterin bei Franz Architekten, danach bei Franz&Sue. Seit 2022 ist sie im Wiener Architekturbüro Partnerin, seit 2025 auch geschäftsführende Gesellschafterin.
Claudia Maria Walther, Studium der Architektur; Lehre und Forschung bis 2025 (TU, FH Campus und KPH Wien) zu den Themen Raumwahrnehmung, Bildungsraum der Zukunft unter dem Aspekt der Transformation von Bestandsbauten sowie Nachhaltigkeit mit Fokus Low Tech Design. Seit 2020 Projektmanagerin bei der Bundesimmobiliengesellschaft.
