Funkhaus
Bauvisite 247Das von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger in Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister geplante Funkhaus in der Argentinierstraße gilt, wie Ute Woltron feststellt, als „Urahn“ aller Sendegebäude. Es ist ein einzigartiges Symbol der österreichischen Architektur- und Technikgeschichte.
Lange bevor die ikonischen Landesstudios des ORF oder das ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg entstanden, wurde hier Mediengeschichte geschrieben. Durch die Einbeziehung eines Bestandsgebäudes entstand zwischen 1935 und 1938 eine weitläufige Anlage, bestehend aus einem zurückgesetzten Bürotrakt – dessen blockhaftes Äußeres und umlaufendes Attikageschoss die Höhendominante bildet –, einem daran angeschlossenen Betriebstrakt sowie einer Saal- und Studiogruppe.
Die Ausarbeitung des Interieurs mit Stiegengeländern, Türen oder der Wahl der Beleuchtungskörper zeugt von einer hohen Detailqualität, wie sie das Werk Clemens Holzmeisters auszeichnet. In den späten 1970er-Jahren wurde das Funkhaus von einem der prominentesten Schüler Holzmeisters – Gustav Peichl – durch einen Erweiterungsbau für das ORF-Landesstudio Wien ergänzt.
Nach über 90 Jahren Nutzung als Medienstandort, der von den Mitarbeitenden hoch geschätzt wurde und in dem prägende Hörfunkformate entwickelt wurden, verkaufte der ORF das Objekt 2016, mit Ausnahme der Studios und des Sendesaals, an die Rhomberg Gruppe. BWM Designers & Architects wurden schließlich beauftragt, für die Bauteile A und B ein neues Konzept zu entwickeln.
Im Rahmen der Bauvisite werden Erich Bernard und Gerhard Girsch von BWM Designers & Architects über Entstehungsgeschichte, die mittels einer intensiven Recherche minutiös rekonstruiert wurde, und über die Zukunft und das Weiterbauen an diesem Gebäude berichten. Begleitet wird der Rundgang von Andreas Fellerer, der Anfang der 1960er-Jahre einen Sommer lang in Salzburg bei Clemens Holzmeister arbeitete und aufgrund seines Onkels Max Fellerer lange Zeit auch privat mit Holzmeister in Verbindung stand.
Es führen: Erich Bernard und Gerhard Girsch / BWM Designers & Architects
Special guest: Andreas Fellerer
In Begleitung von: Elise Feiersinger / ÖGFA und Johann Gallis / DOCOMOMO Austria
Kooperation mit DOCOMOMO
Andreas Fellerer hat Architektur an der TU Wien studiert. Gemeinsam mit Jiří Vendl leitete er von 1986 bis 2024 das Büro Fellerer Vendl in Wien.
Erich Bernard schloss sein Architekturstudium an der TU Graz und der Hochschule für angewandte Kunst in der Meisterklasse bei Prof. Wilhelm Holzbauer in Wien ab. 1995 war er Gründungspartner von Bernard Ebner Hasenauer Ferenczy ZT GmbH (BEHF Architekten) und bis 2005 aktives Mitglied der Geschäftsführung. 2004 gründete er mit Daniela Walten und Johann Moser BWM Designers & Architects. Von 1998 bis 2003 war er Vorstandsmitglied der ÖFGA (Österreichische Gesellschaft für Architektur), seit 2023 ist er im Beirat für Architektur und Design des österreichischen Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport.
Gerhard Girsch hat Architektur an der TU Wien studiert. Seit 2006 ist er Teil des Teams von BWM Designers & Architects, seit 2022 Head of Architecture und war unter anderem mehrere Jahre lang als Projektleiter mit der zweiten Generalsanierung des Karl-Marx-Hofes betraut.